Die Energiewende in Bürgerhand ist in akuter Gefahr. Der PV-Deckel wurde entgegen anderer Ankündigungen noch immer nicht abgeschafft, sodass wir keinerlei Planungssicherheit haben, wie und ob wir ab dem Sommer noch Anlagen bauen und unsere Mitarbeitenden beschäftigen können. Aus diesem Grund haben wir im Februar einen offenen Brief an unsere Heidelberger Bundestagsabgeordneten geschrieben:

      

Die Energiewende in Bürgerhand braucht Ihre politische Unterstützung

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Heidelberger Energiegenossenschaft setzt seit 2010 konkrete Energiewende-Projekte in Heidelberg und Umgebung um. Wir vereinen im 10. Jahr unseres Bestehens über 650 Mitglieder, versorgen bald 1.000 Haushalte mit Ökostrom und haben mehrere Millionen Euro Bürgerkapital in Solaranlagen und Windkraft investiert. Unser Schwerpunkt sind Vor-Ort-Versorgungskonzepte, bei denen wir den erzeugten Solarstrom direkt im Rahmen von Mieterstrom oder Direktverbrauch liefern. Wir halten die Wertschöpfung damit in der Region, machen die Energiewende erlebbar, unterstützen hiesige Unternehmen und unsere Mitglieder können mit ihren Zinseinnahmen weitere Projekte finanzieren.

Doch die politischen Rahmenbedingungen auf Bundesebene verhindern inzwischen immer stärker, dass wir die Energiewende kraftvoll vorantreiben können. Wir möchten Sie deshalb bitten, sich im Bundestag für Reformen im Sinne der Bürgerinnen und Bürger Ihres Wahlkreises einzusetzen. Die Stadt Heidelberg hat das Ziel ausgesprochen, 25 Megawatt Photovoltaik bis 2025 zuzubauen. Unsere Genossenschaft plant in 2020 einen Zubau von über 1 Megawatt – wir haben alle Strukturen, Prozesse und das Personal, um diesen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Bürgerhand zu leisten. Doch aufgrund des drohenden Erreichens des PV-Deckels und der starken Degression der Vergütungssätze im aktuellen Erneuerbare-Energien-Gesetz fehlt uns jegliche Planungssicherheit.

Wir haben in den letzten Jahren feste Stellen geschaffen und damit die dringend notwendige Professionalisierung der Energiewende angegangen. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht innerhalb der nächsten Monate ändern, können wir unsere Angestellten vermutlich nicht weiter beschäftigen. Doch es stehen nicht nur Arbeitsplätze in einer Zukunftsbranche auf dem Spiel! Genossenschaften wie wir treiben durch innovative Projekte konkret die Energiewende voran. 2014 hat die HEG für das erste genossenschaftliche Mieterstrom-Modell den Deutschen Solarpreis erhalten; für unser auf Erneuerbare Energien basierendes Quartierskonzept in der Heidelberger Südstadt wurden wir u.a. mit dem renommierten Georg Salvamoser Preis ausgezeichnet.

Wir geben unser Wissen und unsere Konzepte seitdem in Workshops und Schulungen weiter – aber trotzdem sind Mieterstrom-Modelle nicht zum Standard geworden, weil weiterhin kein Rechtsrahmen besteht, der solche Projekte unbürokratisch ermöglicht. Im Gegenteil – die politischen Entscheidungen und die steigende Komplexität in der Energiegesetzgebung lassen bei uns Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl zurück, dass unser Engagement nicht gewürdigt oder gar ausgebremst wird. Doch ohne den Einsatz von Energiegenossenschaften und anderen Bürger-Bewegungen wird die Energiewende sich nicht umsetzen lassen und die deutschen Klimaziele auch 2030 nicht erreichbar sein.

Bitte seien Sie sich Ihrer Verantwortung für künftige Generationen ebenso bewusst wie Ihrer Verantwortung gegenüber der jetzigen Bevölkerung Ihres Wahlkreises. Bitte setzen Sie sich auf Bundesebene dafür ein, dass wir weiter unseren Teil zum bürgerschaftlichen Ausbau der Erneuerbaren Energien beitragen können.

Stellvertretend für unsere Mitglieder stehen wir Ihnen gerne für ein Gespräch zur Verfügung, um gemeinsam Ideen und Reformvorschläge zu entwickeln, wie die Energiewende in Bürgerhand am Leben erhalten werden kann.

 

Mit sonnigen Grüßen

Nicolai Ferchl, Andreas Gißler, Laura Zöckler
Vorstand Heidelberger Energiegenossenschaft

 

Wir haben unterschiedliche Rückmeldungen auf das Schreiben erhalten – doch es gab immer eine Rückmeldung. Deshalb ermutigen wir alle, es uns gleichzutun und an die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zu appellieren. Wir müssen in den Dialog treten und unsere Praxiserfahrung einbringen, um die richtigen Weichen für eine lebenswerte Energiezukunft zu stellen!

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Das HEG-Wäldchen ist mittlerweile auf 4460 Bäumchen angewachsen

Gewinner Deutscher Solarpreis 2014